Jan Decker „Der lange Schlummer“
Um den diesjährigen Preis bewarben sich diesmal 82 deutschsprachige Autorinnen und Autoren. Insgesamt wurden knapp 10.000 Seiten Texte eingereicht. Dabei kamen 60 Autorinnen und Autoren aus Deutschland (davon 24 aus Sachsen), 11 aus der Schweiz, 9 aus Österreich und je 1 Autor aus Finnland und Schweden. 11 Textbeiträge kamen in die engere Auswahl um den Seume-Literaturpreis.
Eine Jury, bestehend aus Dr. Thomas Frantzke (Kulturdienstleister aus Leipzig), Lutz Simmler (Vorsitzender Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma) und Thorsten Bolte (Museum Göschenhaus Grimma), hat im Auftrag des Seume-Vereins „ARETHUSA“ und der Stiftung der Sparkasse Muldental am 25.09.2017 einstimmig Jan Deckers Roman „Der lange Schlummer“ den Seume-Literaturpreis 2017 zuerkannt.
Damit wird erstmals in der Reihe der Seume-Literaturpreisträger ein Text ausgezeichnet, der den Spaziergänger Johann Gottfried Seume als Protagonisten besitzt. Der Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. und die Stiftung der Sparkasse Muldental werden am 2. Dezember 2017 (16 Uhr) in einer feierlichen Preisverleihung dem Autor das Preisgeld von 3.000,- € überreichen. Diese Veranstaltung, zu der jeder herzlich eingeladen ist, findet in der Aula des Hauses Seume an der Colditzer Straße 34 statt.
https://medienportal-grimma.de/3385/verleihung-seume-literaturpreis/
Johann Gottfried Seume bricht im Dezember 1801 von Sachsen zu einer Fußreise nach Sizilien auf, die unter dem Titel »Spaziergang nach Syrakus« zu einem Reiseklassiker des 19. Jahrhunderts avanciert. Der Dramatiker und Essayist Jan Decker greift in seinem Debütroman »Der lange Schlummer« diesen wohl berühmtesten Spaziergang in der deutschen Literatur gekonnt auf und führt ihn nach dem literarischen Vorbild konsequent fort.
Der Spätaufklärer Seume findet sich nach einem über zweihundertjährigen Schlummer unversehens in der Gegenwart des Jahres 2017 an einer Autobahnraststätte im Thüringer Wald wieder, von wo aus ihn sein letzter Spaziergang durch die mitteldeutsche Provinz heim nach Grimma führen soll, dem Ausgangspunkt seiner historischen Fußreise. Auf dem Rückmarsch hat der Dichter nicht nur mit allerhand zeitlosen Unwägbarkeiten zu kämpfen, sondern er muss sich auch einer ihm gänzlich fremden Welt stellen, der er aber mit viel aufklärerischem Charme zu begegnen weiß. Auf dem Spaziergang mit dem in unsere Zeit gefallenen Seume erfahren wir so manche Kuriosität unserer eigenen Lebenswirklichkeit.
Mit seiner fulminant weitergesponnenen Erzählform des fiktiven Briefwechsels in der Tradition Seumes ist Jan Decker ein satirischer Perspektivenwechsel gelungen, der mit einem feinen Augenzwinkern auf unsere Zeit blickt. Ein Roman von großer unterhaltsamer Kraft.
(www.medimops.de)